Vereins-Chronik
 

Die Fünfzigerjahre - Rendezvous am Nierentisch

"Alles fing damit an, dass bei Wahlens zu Hause eine selbstgebaute Tischtennisplatte stand" erinnern sich Friesdorfer Tischtennis-Pioniere an den Sport der frühen Jahre. "Auch Zimmermanns besaßen einen solchen Schatz".

Die Tischtennis-Begeisterung unter Friesdorfs Jugendlichen war so groß, daß man bald auch einen richtigen Verein gründen wollte. Zwar gab es im Ort mit Grün-Weiß Friesdorf schon einen Club mit Tischtennis-Abteilung, doh den jungen Enthusiasten stand der Sinn nach etwas Eigenem. Allesamt Mitglieder der katholischen Jugend, beschlossen sie im Mai 1951 gemeinsam mit der Servatiusgemeinde, die DJK Concordia Friesdorf ins Leben zu rufen.

Für die BGB-gerechte Vereinsgründung stellte sich jedoch das Problem, dass keiner der Gründerväter volljährig war. Als ersten Präsidenten konnte man schließlich den 21-jährigen polnischen Studenten Eger Ludgers gewinnen, der als Strohmann einsprang. Der Beitrag im Gründungsjahr betrug übrigens 50 Pfennige - bei einem Taschengeld von durchschnittlich 5 Mark pro Monat eine stolze Summe.

Der erste vereinseigene Tisch entstand in Handarbeit: Für 90 Mark hatte man beim Schreinermeister Ungerathen eine durchgehende Holzplatte erstanden, die Stützböcke stiftete Hans Plönnes, der erste Schatzmeister, und die Lackierung übernahm Fried Klemmer. Als erste Spiellokale dienten die Baracke der Servatiusschule und der Saale der Gaststätte Huth.

Institutionll war man noch nicht dem WTTV angeschlossen, wohl aber der Diözese Nordrhein, an die pro Spieler DM 1,50 pro Jahr abgeführt werden mußten. In den ersten Jahren wurden die Vergleichskämpfe innerhalb des DJK-Verbandes ausgetragen.

Ab 1955 spielte man im neuerbauten Jugendheim von St. Servatius und hielt mit sportlichem Ping-Pong manchen Kirchgänger vom sonntäglichen Messebesuchen ab. Der damalige Kaplan Weber nahm es jedoch gelassen und bemerkte philosophisch: "Wenn die DJK hundert Menschen davon abhält, in die Kirche zu gehen und nur einen einzigen dazu bringt, über den Verein zurück zur Kirche zu finden, dann hat sie ihren Sinn erfüllt". Eben dieser Kaplan Weber war es übrigens, der dem Verein die dringend benötigte zweite Tischtennisplatte stiftete.


Vor einem Vergleichskampt 1952 gegen DJK Bonn-Süd (in Kessenich)

Oben: Hans Hebenstrick, Walter Hamacher, Peter Riegel, Hermann-Josef Wahlen, Josef Hünten,

Unten: Hans Plönnes, Fied Klemmer.


Nachdem so die materielle Basis gelegt war, entstanden langsam auch organisatorische Strukturen, um deren Aufbau sich vor allem Hans Plönnes und Josef Hünten verdient machten. 1955 wurde auf Initiative von Benno Gelsdorf die Fußballabteilung der DJK Conordia Friesdorf gegründet; Tischtennis-Fachwart war damals Walter Hamacher - er wurde 1959 von Hans Hebenstrick abgelöst - und als Vorsitzender des Gesamtvereins amtierte Hermann Josef Zimmermann.

Die Einladungen zu den Jahreshauptversammlungen der Gründerzeit waren formvollendet und von "sportlicher Hochachtung" geprägt; die Anwesenheitslisten von damals lesen sich mit Namen wie Giersberg, Nothbaum, Schwalb und Huth wie Auszüge aus dem Friesdorfer Adelskartular.

Nach ersten Vergleichskämpfen im Umkreis des Kirchturms - unter anderem ein weig schmeichelhaftes 1:8 gegen St. Marien, bei dem Hans Plönnes der Ehrenpunkt gelang - erfolgte im Sommer 1955 die Aufnahme in den Westdeutschen Tischtennis-Verband: mit zwei Herren- und zwei Jugendmannschaften startete man voller Elan in die Meisterschaft.

Die damaligen Spielverhältnisse würden wohl kaum dem heutigen Standard genügen: man spielte in größeren Gaststätten, Tanzsälen und Jugendheimen, die jedoch in der Regel nicht beheizt waren, so dass es keine Seltenheit war, dass die Spieler eine Lage Briketts mitbrachten oder in Handschuhen antraten. Selbst konstruierte tiefhängende "Flutlichtlampen" über der Platte waren nicht nur bei Ballonabwehrspielern gefürchtet, und die Anreise per Fahrrad oder auf der Pritsche des Pohlentransporters von Vater Wahlen machte viele Auswärtsspiele zum abenteuerlichen Ausflug.

Erster Sponsor des noch jungen Vereins war Friesdorfs Gärtnermeister Josef Klein, der mit Siegprämien (DM 1,50 pro gewonnenes Spiel) und Freigetränken nach Spielende die Mannschaften motivierte und so zur Geselligkeit beitrug.

Kein Wunder, dass sportliche Erfolge nicht lange auf sich warten ließen. Hans Hebenstrick und Hermann-Josef Wahlen gewannen 1956 das Zweiermannschafts-Turnier der TTF Lengsdorf. Der Jugendspieler Hubert Venier machte erstmals von sich reden, als er sich bei den Vereinsmeisterschaften 1959 im Saal der Gaststätte Huth gegen die bis dahin so erfolgreichen Herrenspieler durchsetzte und im Endspiel Peter Riegel mit 2:1 Sätzen besiegte.

Die sportlichen Kontakte reichten bald weit über den Bonner Raum hinaus: Tischtennisfreunde von der Tafeltennisvereniging "een en twintig" aus Beek en Donk waren regelmäßig im Herbst zu Freundschaftspielen in Friesdorf zu Gast. Um auch den spielstärken Niederländerinnen Paroli bieten zu können, bat man die Damen von Post Bonn um Unterstützung; für deren Zusage bedankten sich die Friesdorfer der "Fifties" formvollendet mit einem Blumenstrauß.
 

Die Sechzigerjahre - Keep on Running

Gleich zu Beginn der sechziger Jahre gelang dem noch jungen Klub ein Doppelschlag: Die erste Herrenmannschaft stieg in der Besetzung Walter Leiendecker, Arnold Jost, Hermann-Josef Wahlen, Jürgen Venier, Fritz Hüllen und Hans Hebenstrick ungeschlagen in die Bezirksklasse auf, die Zweitvertretung schaffte mit etwas mehr Mühe den Sprung in die 1. Kreisklasse.

Mit einem glatten 5:0 im Endspiel gegen den SC Euskirchen glückte Hubert Venier, Arnold Jost und Jürgen Venier noch dazu der sieg im General Anzeiger-Pokal  "für eine Kreisklassenmannschaft das höchste Ziel und ein besonderer Stolz", wie Bezirkswart Wenigmann in seiner Laudatio im Saale Zorn bemerkte.

Angesichts dieser Erfolge dachte man im Abteilungsvorstand über mögliche Formen der Professionalisierung nach; als Ergebnis hitziger Debatten wurde beschlossen, für die Meisterschaftsspiele Eintritt zu verlangen. Für Spiele der Ersten war ein festes Entrée zu entrichten, bei Auftritten der Zweiten konnte man nach Gutdünken einen Beitrag zur Mannschaftskollekte leisten. Die Eintrittsregelung wurde allerdings bald darauf wieder aufgehoben und bis heute nicht wieder eingeführt - ob aus tieferer Einsicht oder aufgrund lautstrarker Proteste der Friesdorfer Fans läßt sich jedoch nicht mehr rekonstruieren.

Auch die Jugendlichen hatten Fortune, allerdings weniger in der Mannschaftsmeisterschaft als vielmehr in den Einzelwettbewerben: Helga Blome und Hubert Venier waren auf Kreis-und Bezirksebene erfolgreich; sie vertraten den Verein erstmals auf den Westdeutschen Jugendmeisterschaften und wurden beide zu Jugendauswahlspielen eingeladen.

In der Saison 1961/1962 startete erstmals eine Damenmannschaft; weitere Herren- und Jugendmannschaften kamen hinzu. Den Friesdorfern bereitete fortan der Trainingsbetrieb große Probleme - den Aktiven stand nur ein einziger Trainingsabend zur Verfügung. Dennoch stellten sich weitere Erfolge ein: die Stadtmeisterschaften waren fest in Friesdorfer Hand, man gewann den Kreispokal und wurde ungeschlagen Bezirksmannschaftsmeister.

Im Vordergrund der Vereinsarbeit stand die Jugendförderung. Unter der Leitung des Jugendwartes Jürgen Venier, der viele Jahre gleichzeitig auch auf Bezirksebene Verantwortung übernahm, erlebte die Jugendabteilung einen weiteren Aufschwung. Mitte der sechziger Jahre sorgten vor allem zwei junge Damen für Furore: Hildegard Otte und Brigitte Lösche vertraten Friesdorf in der Bezirksauswahl und auf den Westdeutschen Jugendmeisterschaften. Hildegard Otte belegte dort einen hervorragenden achten Platz im Einzel und wurde gemeinsam mit Gerda Maria Schäfer von der TTG Witterschlick Dritte im Mädchen-Doppel.

In der darauffolgenden Spielzeit gelang ihr sogar das Kunststück, die Meisterschaftsrunde in der Damenbezirksklasse ungeschlagen zu beenden. Die DJK Concordia Friesdorf nahm in dieser Saison 1964/1965 übrigens als einziger Verein im Raum Bonn-Sieg mit zwei Mannschaften an den Spielen der Jugendbezirksklasse teil; der Ersten wurde am letzten Spieltag die Meisterschaftssuppe noch von CTTF Bonn versalzen, die Zweite belegte unter zwölf teilnehmenden Teams einen guten siebten Platz.

Trotz dieser weit über die Grenzen Friesdorfs hinausreichenden Erfolge blieben die Trainingsbedingungen weiterhin provinziell: insgesamt sieben Mannschaften standen ganze 1 3/4 Stunden Turnhallentraining zur Verfügung. "Dass unsere Abteilung trotz diese Umstände so zusammenhält, ist allen Mitgliedern hoch anzurechen" bemerkte Hans Hebenstrick 1966 auf der Hauptversammlung und schloss seinen Worten die lautstarke Forderung nach neuen Tischen und weiteren Trainingszeiten an.

1967 wurden diese viel geäußerten Wünsche erhört; die DJK verfügte endlich über genügend Trainingsmöglichkeiten und war auch mit Tischen und Netzen gut ausgestattet. Kurioserweise fiel ausgerechnet in diese Zeit des materiellen Aufschwungs der sportliche Rückschlag - die erste und zweite Herrenmannschaft stiegen aus der im Vorjahr erreichten Landesliga bzw. Bezirksklasse direkt wieder ab, und spielstarke Jugendliche wechselten zu erfolgreichen Bonner Vereinen.

Da der Vergleich mit anderen Vereinen offenbar wenig ermutigend ausgefallen war, besann man sich aufs interne Kräftemessen und beschloss, alljährlich in einem "Mammutprogramm jeder gegen jeden" den Vereinsmeister zu ermitteln. 1967 war Hans Klöver der Konditionsstärkste und errang nach 22 Spielen den Titel des Vereinsmeisters.

In Freundschaftsspielen gegen DJK Bonn-Süd, Niederlützingen oder Eintracht Hannover gewann man neues Selbstvertrauen, und selbst in artfremden Sportarten wurden erfolgreich erste Gehversuche gemacht: bei einem Fußballturnier im September 1967 bezwang man die Alten Herren der Fußballabteilung mit 4:3 und die Tischtennisspieler der DJK Sieglar 4:0. Unter Leitung des gerade erst dem Schüleralter entwachsenen Michael Westkamp begann 1968 ein Neuaufbau in der Jugend. Als zarter basisdemokratischer Widerhall der Studentenbewegung von damals kann die Tatsache gewertet werden, dass Michael Westkamp von den Jugendlichen ganz allein in sein Amt gewählt wurde.

Für neue Motivation sorgten schließlich die Weltmeisterschaften 1969 in München mit den legendären Erfolgen von Eberhard Schöler. Zahlreiche Friesdorfer waren Zaungäste während der Welttitelkämpfe. Ein unvergessliches Erlebnis vor allem für Ernst Kepper, Hans Hebenstrick, Hans-Günter Keller und Walter Pfennigsberg, die keine Unterkunft reserviert hatten, und sich nach einer langen Odyssee schließlich wie durch ein Wunder in einer Elfer-Suite mit Handbrause wiederfanden. Danach hing für die DJK der Himmel wieder voller Geigen; mit 18 Jugendlichen und 31 Seniorinnen und Senioren startete man in die neue Saison. Ernst Kepper wurde in die Kreisauswahl berufen und hatte wesentlichen Anteil an den Erfolgen gegen die Nachbarn Rhein-Sieg und Euskirchen.

Die Stadtmeisterschaften 1969 waren mit Dreifach-Siegen in der Jugend und in der Senioren B-Klasse fast traditionsgemäß wieder fest in Friesdorfer Hand. "Friesdorf sahnte ab" titelte der General-Anzeiger im September 1969 anlässlich dieses Ereignisses, und nur der gute Manfred Beineke (damals Post Bonn) sorgte mit seinem Fünf-Satz-Sieg im Finale der A-Klasse gegen Fritz Kirsch dafür, daß die DJK nicht Alleinunterhalter blieb.
 

Die Siebzigerjahre - Ping-Pong-Diplomatie mit England

Der Beginn der siebziger Jahre markiert einen Wendepunkt in der nun schon fast zwanzigjährigen Geschichte der DJK Concordia Friesdorf. Nach längeren Verhandlungen fusioniert man 1970 mit dem damaligen ESV Blau-Weiß Bad Godesberg und gibt sich den Namen, der heute im Bonner Raum zum Markenzeichen geworden ist: DJK Blau-Weiß Friesdorf.

Mit neuem Namen gedachte man ein Jahr darauf im Rahmen einer Festwoche der Vorgängerinstiutuion DJK Concordia Friesdorf, die als allgemeine Sportvereinigung bereits im April 1921 gegründet war, sich jedoch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges aufgelöst hatte. Aus Anlass dieses Jubiläums präsentierten sich die einzelnen Abteilungen zwischen Kirchgang und Festkommers in zahlreichen Veranstaltungen; die Tischtennisspieler organisierten einen Wettbewerb mit internationler Beteiligung.

Während sich Michael Westkamp im Endspiel des Einzelturniers noch kanpp dem niederländischen Oberligaspieler Eric Braake (Hilversum) geschlagen geben musste, geriet das Mannschaftsfinale trotz internationaler Besetzung mit Gästen unter anderem aus Hannover, Hilversum, Heidelberg und Beek en Donk zu einem Blau-Weißen Lokalderby, das DJK 1 schließlich mit 5:2 gegen DJK 2 gewinnen konnte.

Beim anschließenden Stafettentrinken im "Klufter-Eck" gelang der Zweiten dann aber postwendend die Revanche. Das von Betty Rossow und ihren beiden Töchtern geführte Stammlokal in der Klufterstraße (im Ausschank Römer Kölsch, Oberkasseler Pils und Münchner Löwenbräu)  war in den siebziger Jahren ein regelrechtes Begenungszentrum. Hier hing - für jdermann sichtbar - die Rangliste, die seit 1971 ausgetragen wurde; das Startgeld war in eine ebendort angebrachte Spardose zu entrichten. Hier wurde im Frühjahr 1971 das erste abteilungsoffene Preisskat ausgerichtet (Sieger: Helge Fedeler), und manche heute noch lebendige Legende wurde hier geboren: Friesdorf ohne Sperrstunde, Knobelnächte mit Pommes unter eigener Schlüsselhoheit oder Helges unerreichte Wette mit den dreißig Soleiern.

Die Kneipe hieß übrigens im Volksmund "Bei den sechs Arschbacken", worüber sich geschmacklich streiten läßt. Kenner von damals aber versichern, dass die Bezeichnung nett gemeint war - offenbar eine seinerzeit verbreitete Etikettierung, denn von den Godesberger Gaststätte "Schloss Rheinblick" ist ein ähnlicher Untertitel überliefert, der bei der Nahmensgebung Pate gestanden haben mag.

Wie dem auch sei, die Friesdorfer waren auch sportlich weiter erfolgreich. Am Ende der Saison 1971/1972, in die man erstmals mit vier Herrenmannschaften gestartet war, stand der Aufstieg der Ersten in die Landesliga; die Zweite verpaßte wegen schlechter Nerven nur knapp den Sprung in die Bezirksliga.

Das Geheimnis des Erfolgs lag möglicherweise in der Person von Wilfried Micke begründet, der als langjähriger Spitzenspieler des Bundesligisten PSV Düsseldorf anläßlich eine Trainings-Stippvisite im November 1971 manch professionellen Tip gegeben haben soll. Doch selbst dessen Kniffe konnten nicht verhindern, daß man im "Olympischen Dreikampf" gegen die Fußballabteilung im Sommer 1972 den küreren zog. Während der Tischtennis-Vergleich mit 9:0 souverän gewonnen wurde, und das Fußballspiel halbwegs ehrenhaft mit 3:8 verloren ging, fiel die Entscheidung im Kegeln denkbar knapp zugunsten der Fußballer.

Zu Ostern 1973 beginnt für die Friesdorfer dann eine Sportpartnerschaft, die den Rest der siebziger Jahre prägen sollte: vom 15.-24. April sind erstmals Spielerinnen und Spieler der "Maidenhead & District Table Tennis Associatin" in der Partnerstadt Bad Godesberg zu Besuch.

Für die Gäste von der Themse hatten die Friesdorfer gemeinsam mit dem TTC Godesberg-Muffendorf ein umfangreiches Begegnungs- und Besichtigungsprogramm mit Ausflug nach Köln, Wanderung im Siebengebirge und einer Bootstour auf dem Rhein vorbereitet. Geradezu abenteuerlich verlief ein Trip per Bus über den Nürburgring, der von einem mittelschweren Schneesturm beendet wurde. An der Quiddelsbacher Höhe kam das "Aus" - üüber eine Notausfahrt mußte man die unpassierbar gewordene Rennstrecke verlassen. Auch bei den Tischtennis-Vergleichskämpfen wurden die Briten kalt erwischt - im Einzel wie in der Mannschaft hagelte es Niederlagen, lediglich ei der Jugend B gelang ihnen ein 7:1 Erfolg.

Höhepunkt im Jahre 1974 war ohne Zweifel der Gegenbesuch in Maidenhead. Nach abenteuerlicher Anreise über Zeebrugge und einigen Ehrenrunden um den Piccadilly-Circus gelangte man dank der Hilfsbereitschaft eines Londoner Autofahrers zuletzt doch noch auf den Motorway nach Maidenhead. Im Rahmen des sechstägigen Besuchs blieb genügend Zeit für Ausflüge nach Windsor, Oxford und natürlich in die Hauptstadt London, we neben Westminster Abbey und den Kronjuwelen ein abenteuerliches "Gasthaus an der Themse" den nachhaltigsten Eindruck machte.

An heimischen Platten gelang es den Maidenheadern, die Vergleichskämpfe offener zu gestalten als im Vorjahr; nur beim Fußballspiel auf englischem Rasen dominierten die Friesdorfer, die im übrigen auch beim abschließenden Tanzabend Führungsqualitäten unter Beweis stellten. Das Fazit des Besuchs - im Mai 1974 im General-Anzeiger gezogen - hatte fast staatsmännisches Format: "Diese enge Freunschaft soll als ein wesentlicher Beitrag zur Völkerverständigung für immer aufrecht erhalten bleiben". Für den Rest der Siebziger wurden die Deutsch-Englischen Tischtennis-Begegnungen dann tatsächlich zur festen österlichen Einrichtung: 1976 ("Miteinander - Gegeneinander im Pennenfeld"), 1977 (Fish and Chips in Stan's Cricket Club mit dem legendären "one-armed-bandit") und 1979 (der letzte Tango in der Burgschule) gab es verschiedene Neuauflagen.

Die Ping-Pong-Diplomatie mit England tat dem Erfolg auf lokaler Ebene allerdings keinen Abbruch: die Spieljahre 1978 und 1979 wurden zu den bislang erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. 1978 boomte unter der Leitung von Hubert Venier die Jugendarbeit. "Friesdorfer Jugend kann beim Training nie genug bekommen", vermeldete schlagzeilensicher die Bonner Rundschau, und der unermügliche Einsatz wurde reichlich belohnt: Die erste Mannschaft wurde dMeister in der Bezirksliga (der höchsten Jugnedspielklasse zu dieser Zeit); die zweite und Dritte Jugend stiegen in die 1. Bezirksklasse bzw. in die Kreisliga auf.

Ein besonderes Kuriosum aus dieser Zeit ist das Finale auf Kreisebene gegen Post-SV Bonn. Nach fast vier Stunden stand es 8:8 - bei 646:646 gespielten Bällen. "Total unentschieden" titelte der General-Anzeiger; das Wiederholungsspiel gewannen die Friesdorfer mit 9:5, wurden anschließend Bezirksmeister und nahmen an der WTTV-Vorrunde teil; die Mädchen sicherten sich souverän Pokal und Meisterschaft im Kreise Bonn.

Ein prominenter "Godesberger Jung" ging damals übrigens ganz offiziell im Ahorn-Dress auf Punktejagd: Johannes Kerner, als Teenager lange im Erlengrund daheim, war Mitglied im Friesdorfer Jugendteam - gut möglich, dass die Matchpraxis der Siebziger bereits den Grundstein für die spätere Berufswahl legte.

Im Folgejahr sahnten die Senioren ab: vier der fünf Herrenmannschaften gelang der Aufstieg und die Erste hatte fortan Verbandsliga-Format. Peter Gros, Ansgar Miklis und Wolfgang Hennig holten dazu mit 5:4 gegen die favorisierte Olympia Bonn den Simon-Cup zum zweiten Mal nach Friesdorf. Die Jugend feierte dagegen Turniererfolge: Peter Gros wurde Jugend-Kreismeister, Klaus Platen und Anke Lersch gewannen die Schülerkonkurrenzen. Heinrich Schöneseiffen avancierte zum erfolgsreichsten Jugendspieler des Vereins: seine Plazierung unter den letzten acht im Einzelwettbewerb sowie sein dritter Platz im Doppel mit Christoph Schiergens (damals Alemannia Aachen) bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 1979 sind bis heute unerreicht geblieben.

Ein Grund für diese Erfolge mögen sicherlich auch die mittlerweile professionellen Rahmenbedingungen gewesen sein. Auch dank des großzügigen Einstands von Georg "Schorsch" Schmidt, seit Ende der Siebziger unser Vereinswirt mit Herz im "Kölsch-Eck" an der Prinzenstraße, wurde ein Trainingsroboter angeschaftt, bei dem man niemals an die Geduldsgrenzen stieß. Und in der Turnhalle Burgschule am Fuße der Godesburg, von Jupp Gerhartz weiland wie ein Hotel geführt, taten sich bald zusätzliche Spiel- und Trainingsmöglichkeiten auf, die den Hausherren selbst sehr schnell zum engagierten Mannschaftskameraden werden ließen.
 

Die Achtzigerjahre - Verdamp lang her

Die Saison 1979/1980 endet für die Blau-Weißen enttäuschend: mit dem 9. Platz in der Verbandsliga verpasst die Erste hauchdünn die Höhergruppierung in die Oberliga, die damals aufgrund der Neuschaffung der Regionalliga anstand. Schlimmer als diese verpasste Chance ist der spielerische Aderlass: Heinrich Schöneseiffen, Klaus Siebert und der im Vorjahr aus der Rheinlandliga zu Friesdorf gestoßene Ottmar Zender wechseln zur TTG Lülsdorf-Rheidt, um im Rechtsrheinischen ihr Oberligaformat unter Beweis zu stellen. Die folgende Spielzeit ist Umbruch und Neuanfang, der Verein muß sich auf alte Tugenden wie Teamgeist und Jugendarbeit besinnen.

In der Tat sind es auch die Youngsters, die dafür sorgen, daß die DJK trotz der herben Verluste weiter im Gespräch bleibt. Christoph, Wolfgang und Klaus Platen - damals alle im Teenie-Alter - gelingt ein Novum im Simon-Cup: als erstes "Familienteam" ziehen sie ins Halbfinale ein. Zwar ging den Platen-Brothers im Spiel um Platz 3 gegen die Oldies von Post-Bonn die Luft aus, doch der General-Anzeiger hatte seine Schlagzeile:

Von diesem Pokalerfolg abgesehen, verlief die Saison wie erwartet ungünstig: die Erste stieg - wenn auch nur denkbar knapp nach einem 5:9 im Entscheidungsspiel gegen Bergisch-Gladbach - in die Landesliga ab, und auch die Dritte konnte sich nicht in der Bezirksliga halten.

Trost für die verkorkste Saison spendete eine Vereinsfahrt nach Hildesheim, denn die Vergleichskämpfe gegen die Gastgeber wurden allesamt gewonnen. Auch beim Bier unter den Augen des Alten Fritz im Offizierskasino der Panzergrenadiere - oder beim Gulasch - nachts um halb vier aus dem Kühlschrank der Gastgeber - hatte man die Nase vorn.

Im September 1981 startet man mit frischem Mut in die neue Saison. Heinricht Schöneseiffen und Ottmar Zender waren aus Lülsdorf zurückgekehrt und "der Top-Favorit für die Meisterschaft in der Herren-Landesliga heißt DJK Blau-Weiß Friesdorf" (General-Anzeiger vom 10.9.1981).

Dank der spielstarker Jugendlicher, die in die übrigen Mannschaften integriert wurden, und neuer Erfahrungen, die die Silberhaarigen unter den Senioren auf den Deutschen Meisterschaften in Deidesheim gesammelt hatten, machte sich der Aufwärtsftrend bald auch in den Ergebnissen bemerkbar.

Gesellschaftliche Höhepunkte waren der Gegenbesuch der Hildesheimer mit Gala-Diner im BTHV-Clubheim sowie improvisierte Konzertbesuche bei Elton John in der Kölner Sporthalle oder bei BAP und den Rolling Stones im Müngersdorfer Stadion. Beliebtester Trainignstermin bei Juniorinnen und Junioren war der Donnerstag, weil sich hier die nette Möglichkeit ergab, anschließend zum Schwoof ins "Rock-On" oder zum Billard ins "Mac" auszuschwärmen. Der Abstieg der Ersten Damenmannschaft aus der Kreisliga im Jahr 1982 hatte mit diesen Aktivitäten allerdings nichts zu tun. Um so erfolgreicher schnitten die Herrenmannschaft ab: die Erste schaffte den Weideraufstieg in die Verbandsliga und für die Abwanderer Michael Spormann und Ottmar Zender fand man in Klaus & Klaus (Siebert und Platen) mehr als nur Ersatz.

Der Fünften gelang, wenn auch nur für eine Spielzeit, der Sprung in die Kreisliga. Angesichts zahlreicher Niederlagen in der rauhen Höhenluft besann man sich auf "Asti Spumante" als Katalysator und ließ damit die in den Siebzigern entstandene Tradition der "Champus-All-Stars" wieder auflegen; gezielte ausflüge ins Godesberger Nachtleben gehörten ebenfalls zum Kurprogramm. Ohn für diese moderne Form der Brauchtumspflege war der direkte Wiederaufstieg, so dass DJK Friesdorf für die Saison 1984/1985 gleich drei Kreisligateams aufbieten konnte - auch das wohl ein Novum im Bonner Raum. Vorausgegangen waren im Juni 1984 die ersten Vereinsmeisterschaften in der Hans-Riegel-Halle; die damaligen Sieger sind heute in Vergessenheit geraten, nicht aber das exquisite Buffet von Markus Buslei, das eine besonders geschätzte Friesdorfer Spezialität gewesen ist.

Ein Leckerbissen in sportlicher Hinsicht war der Sieg von Klaus Platen bei den Juniorenbezirksmeisterschaften im Herbst 1985. Heinrich Schöneseiffen belegte bei den Senioren Rang vier. Auch die ganz Jungen verzeichneten wieder Erfolge: bei der Bezirksrangliste für Schülerinnen und Schüler B belegten Katharina Langkau und Philipp Dietz jeweils Platz 2; Friederike Zilch erreichte bei den Minimeisterschaften auf WTTV-Ebene Rang vier. Für besondere Begeistung bei den Jugendlichen sorgte ein Wochenendlehrgang in der Jugendherberge Morsbach mit Videoaufzeichnungen und Übungen an der Ballmaschine. Als Belohnung für fleißiges Training machte die Jugendabteilung einen Ausflug ins Hännesche-Thealter nach Köln.

Im Sommer 1987 wurde in der Abteilung gleich dreimal gepoltert: bei Carlo und Ise, Martin und Claudia und bei Bernhard und Karin trafen sich die Tischtennis-Freunde regelmäßiger als beim Training. Nach einer Reihe von Spielerwechseln und berufsbedingten Abgängen schaffte eine neuformierte ERste am Ende der Saison 1987/1988 den Aufstieg in die Oberliga. Mit Hilfe des ehemals Wolsdorfer Trios Michael Bitz, André Ertl und Reinhard Röttgen wurden die Friesdorfer damit zum ranghöchsten Tischtennisverein im Bezirk Bonn-Sieg.

In der folgenden Spielzeit gelang es, die Klasse zu halten. Ausschlaggebend dafür waren jedoch nicht "wundersame Siege an den letzten Spieltagen", wie die Presse argwöhnte, sondern Moral und spielerisches Geschick.
 

Die Neunzigerjahre:  Et kütt wie et kütt

Die Saison 1989/1990 war von Kontinuität geprägt. Der Ersten - mittlerweile durch Josef Moog verstärkt - gelang der Klassenerhalt in der Oberliga; auch die übrigen Teams konnten sich behaupten, nur die Sechste musste den Weg in die 3. Kreisklasse antreten. Höhepunkt der Spielzeit waren zweifellos die zum ersten Mal in offener Form ausgetragenen Vereinsmeisterschaften im April 1990, zu denen Gäste vom TSV Schlüsselburg (Minden) und von der BSG Empor Potsdam nach Friesdorf gekommen waren.

Im Mittelpunkt dieser ersten deutsch-deutschen Tischtennis-Begenung in der Bundeshauptstadt (Pressemotto: Partnerstädte an der Platte) standen neben Stadtrundfahrt und Empfang im Rathaus Einzel- und Mannschaftswettbewerbe, bei denen vor allem die "Wahl-Potsdamer" vom DDR-Ligisten TSV Stahnsdorf zu beeindrucken wussten. Besonders erfreulich war, dass man am Rande der Wettkämpfe und bei den Feiern im Haribo-Casino nicht nur diplomatische Artigkeiten austauschte, sondern zum Teil engagiert über Probleme und Perspektiven der Wiedervereinigung diskutierte.

Eine Woche zuvor hatte Friesdorf den Schauplatz einer deutsch-deutschen Begegnung anderer Art abgegeben: angeführt vom Wahlmünchener Klaus Platen war die Erste Mannschaft der SG Fasanerie Nord aus der bayrischen Hauptstadt in der Burgschule zu Besuch. Von den schweißtreibenden rheinisch-bajuwarischen Vergleichskämpfen erholte man sich kosmopolitisch bei Weißwurst und Bönnsch vom Faß; den kulturellen Höhepunkt bildete nach einem sonntäglichen Brunch im "Westennest" ein Blitzbesuch im Poppelsdorfer Schloss.

Im Frühsommer konnten die Friesdorfer dann beim zweiten Post-Marathon ihr Organisationstalent unter Beweis stellen - die Verpflegungsstation an der Sevatiusstraße war schon 1989 ein Geheimtipp gewesen und wurde in den Folgejahren zur ersten Adresse in Sachen Lukull: Ob Bananen-Sushi und Iso-Star oder doch lieber Reibekuchen mit Kölsch - hier kamen Sportler wie Helfer und Zaungäste gleichermaßen auf ihre Kosten, und die blau-weißen "Deutschmeister" aus Lannesdorf sorgten unter Jupp Gerhartz' Leitung für Sahnestückchen aus der lokalen Kultur.

Mit einem herben kulturellen Verlust begann dagegen das kleine Jubiläumsjahr 1991: Ende Januar schloss unser traditionsreiches Vereinslokal "Servatius-Stube" für immer seine Türen und wurde zum Sarglager für ein Bestattungsinstitut umfunktioniert. Grabesstimmung in Friesdorf, denn Alex Essers raue Herzlichkeit und die raffiniert-rustikale Küche seiner Frau Elisabeth hatten viele Jahre lang Siege schöner, Unentschieden besser und Niederlagen leichter gemacht - jetzt war das internationale Thekentrio mit Paul Pumpmann, Krister Kristemorgen und Diego Don de Deckel weg tatsächlich gestorben. Und in Friesdorf fehlte fortan vor allem das gutmütig gebrummte "Jangk!", mit dem Patron Alex - seinem betriebswirtschaftlichen Credo ("Ohne Moppe keene Troppe") zum Trotz - manch einen von uns am Tresen auch schon mal ohne vollständig beglichene Deckelschuld zu verabschieden pflegte.

Zu diesem gesellschaftlichen Rückschlag kam Mitte April auch sportlich ein Dämpfer. Die Erste stieg aus der Oberliga ab, und der anschließende "Aderlass für die DJK" sorgte für Schlagzeilen im Blätterwald. Die Abgänge waren auch wirklich fatal: Michael Bitz und Reinhard Röttgen kehrten in Rechtsrheinische zurück, während ein "Grand mit Vieren", nämlich André Ertl, Heinrich Schöneseiffen, Klaus Siebert und Josef Moog, in der Hoffnung auf "langfriste bessere Perspektiven" zum Ladesliga-Aufsteiger Grün-Weiß Fritzdorf ins Drachenfelser Ländchen abwanderte.

Trost fanden die arg dezimierten Blau-Weißen freilich bei ihren Jubiläumsfestivitäten im Mai: Das vierzigjährige Bestehen der Tischtennis-Abteilung wurde mit einem großen Einladungsturnier für den Kreis Bonn und Gästen aus Kortrijk, Potsdam und Schlüsselburg in der Sporthalle Wasserland standesgemäß begangen.

Und schon beim abschließenden Festakt mit Formationstanz, Buffet und Tombola im Haribo-Casino hatte man sportliche Verstärkung akquiriert: Mit Frank Hartmann (SV Ennert), Max Walbröl (CTTF Bonn) und Frank Messinger (ICTT Bad Godesberg) fanden drei potentielle Spitzenspieler Gefallen am Friesdorfer Flair und unterschrieben für die Folgesaison.

Trotz reichlich Sportsgeist war für die solchermaßen neuformierte Erste der Landesliga-Abstieg aber letzlich unvermeidlich, und die Spielzeit 1991/92 erwies sich auch für die anderen Teams als ausgesprochen unerfreuliches Meisterschaftsjahr. Wenn's sportlich rauer wird, rückt man gesellschaftlich enger zusammen: Kein